Die Eiskletterweltcupsaison 2017
posted on February, 2017

 
USA, China, Korea, Schweiz, Italien, Frankreich – 6 Wettkämpfe auf 3 Kontinenten, das sind die Zahlen rund um die Eiskletterwettkampfsaison 2017.
Es war eine anstrengende Saison, sowohl die körperlichen Anforderungen mit 5 Wettkämpfen an 5 aufeinanderfolgenden Wochenenden, als auch die technischen Anforderungen mit verschiedenen neuen Kletterbewegungen, waren sehr hoch. Da ich seit Jahren alleine trainiere und weder Teamkollegen habe, mit denen ich mich messen und von denen ich lernen könnte und auch keine Unterstützung von Rotenbauern habe, die in anderen Ländern für die Athleten Routen zur Wettkampfvorbereitung schrauben, ist es nicht leicht für mich mit immer neuen Entwicklungen Stand zu halten. Umso mehr freue ich mich aber über meine Leistungen.
Die einzelnen Austragungsorte waren sehr verschieden. Während die Wettkampfstrukturen in Durango (USA) und in Peking verhältnismäßig niedrigen waren, wartete in Cheongsong (Südkorea) eine gigantische Wand auf uns Athleten. Diese ersten drei Stationen hatten alle leider kein Eis sondern waren reine DryTooling Routen, die europäischen Veranstalter in Rabenstein und Champagny hingegen warteten mit tollen Eisstrukturen auf und Saas Fee, ausgetragen im Inneren einer Parkgarage ist seit vielen Jahren die wohl spektakulärste Location.
Dieses Jahr hatten mich die zwei neuen Austragundsorte neugierig gemacht und so entschied ich an allen Wettkämpfen im internationalen Kalender teilzunehmen. Beim ersten dieser in Durango wurde ich im Dezember Zweite. Anfang Januar traf sich dann der Weltcupzirkus zum ersten Mal in China. Die ersten beiden Tage verbrachte ich gemeinsam mit meinem Freund Marco, der mich zu allen Wettkämpfen begleitet, mit dem Besichtigen der chinesischen Mauer, der verbotenen Stadt und mit dem Versuch dem Jetlag Herr zu werden. Wegen eines kleinen technischen Fehlers im Finale musste ich mich hier leider mit Platz 7 begnügen. Sofort nach dem Finale stiegen wir in einen Flieger nach Korea, wo ich dann vor und während dem Wettkampf mit einer Grippe Erkrankung zu kämpfen hatte. Besonders hart war der erste Wettkampftag mit Qualifikation und Halbfinale. Ich war sehr erfreut trotz Krankheit das Finale erreicht zu haben, dort reichten meine Kräfte aber nicht für eine Podestplatzierung aus.
Nach unserer Rückkehr nach Hause gab es nicht viel Zeit zum Ausruhen. Wir landeten am Dienstag Nachmittag und mussten am Donnerstag Vormittag bereits nach Saas Fee starten. So waren wir Athleten noch am Sonntag Nachmittag in Korea im Finale und am Freitag Vormittag bereits in der Schweiz wieder mit der Qualifikation beschäftigt. Saas Fee war immer mein Lieblingswettkampf, dort habe ich am öftesten gewonnen und nach den Anstrengungen in Asien habe ich mir heuer vorgenommen, den Wettkampf “zu genießen”. Noch einmal aufs Podium zu klettern und vor dem Publikum, das mich seit Jahren ein bisschen als Heimathletin adoptiert hat, die Silbermedaille zu holen war ein toller Moment.
Mein Heimwettkampf in Rabenstein in Passeier hingegen war eine Enttäuschung für mich. Nachdem ich im Halbfinale geführt hatte, interpretierte ich einen Zug im Finale falsch, verlor dort viel Zeit und Kraft und wurde zum Schluss Sechste. In der Weltcupgesamtwertung belegte ich zum insgesamt fünften Mal Rang 2.
Nun stand nur noch der letzte aber auch wichtigste Wettkampf der Saison auf dem Programm, die Weltmeisterschaft in Frankreich. Mein geheimes Ziel war es natürlich, zum vierten Mal den WM Titel zu holen. Ich habe sehr konzentriert und motiviert geklettert und kletterte im Finale Top. Meine langjährige Konkurrentin und Freundin Shin Woonseon war um nur 5 Sekunden schneller, was auf einer Kletterzeit von 7.30 Minten denkbar wenig ist. Für mich gab es also den Vizeweltmeistertitel. Ein zweiter Platz sowohl in der Gesamtwertung als auch bei der WM freuen mich, da diese vor allem eine sehr konstante Saison aufzeigen. Außer den beiden Weltcupsiegern bei Herren und Damen bin ich die einzige Athletin die in allen 6 Wettkämpfen im Finale war.
Nun habe ich noch ein DryTooling Projekt, bevor ich mich dem Felsklettern widmen werde.
Foto by Diego Patete and Patrick Schwienbacher


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